Wenn es um die oneworld-Allianz geht, erwarten Reisende einen gewissen Qualitätsstandard – selbst in der Economy Class. Leider scheint Finnair fest entschlossen zu sein, diese Erwartungen zu untergraben. Unter den oneworld-Partnern sticht Finnairs interkontinentale Economy Class deutlich hervor – allerdings aus völlig falschen Gründen. Astronomische Ticketpreise, die oft mit Premium-Airlines konkurrieren? Vorhanden. Kein Aufgabegepäck in den meisten Tarifen enthalten? Vorhanden. Ein kaum existentes Catering, das die Frage aufwirft, ob man sich auf einem Langstreckenflug oder bei einem Billigflieger befindet? Doppelt vorhanden.
Es ist rätselhaft, wie Finnair sich als Premium-Airline positionieren kann, während das Bordprodukt eher an ein abgespecktes Low-Cost-Erlebnis erinnert. Für eine Fluggesellschaft, die mit schickem Marketing und nordischem Charme wirbt, hinterlässt die Realität frustrierte und ernüchterte Passagiere. In diesem Beitrag analysieren wir, warum Finnairs Economy Class wohl das schwächste Angebot innerhalb der oneworld-Allianz ist und weshalb man den interkontinentalen Service derzeit meiden sollte. Wer zuletzt Anfang der 2020er-Jahre mit Finnair geflogen ist, dürfte einen Schock erleben: Die frühere Economy Class wurde kurzerhand zur Premium Economy umdeklariert, während die heutige Economy Class stark an Ryanair erinnert.
Die Sitze: Zurücklehnen zum Entspannen – aber zu welchem Preis?
Kommen wir zu den Sitzen – einem der wenigen Aspekte von Finnairs interkontinentaler Economy Class, der nicht komplett enttäuscht, aber dennoch weit von Perfektion entfernt ist. Positiv fällt auf, dass sich die Rückenlehnen weiter nach hinten neigen lassen, als man es in modernen Flugzeugen gewohnt ist. Dadurch lässt es sich überraschend gut schlafen, sofern man das Glück hat, dass der Platz direkt dahinter frei bleibt. Doch genau hier endet der Komfort auch schon.

Die Beinfreiheit auf den regulären Plätzen ist minimal und grenzt an Klaustrophobie. Sobald die Person vor einem die großzügige Neigung der Rückenlehne ausnutzt, fühlt man sich wie in einer Sardinenbüchse eingeklemmt. Der Klapptisch wird praktisch unbenutzbar, der Knieraum schrumpft auf null und man windet sich für den Rest des Fluges auf seinem Platz. Für größere Passagiere ist das ein Albtraumszenario – eine unangenehme Enge, die einen Langstreckenflug gefühlt noch endloser werden lässt.

Während die verstellbaren Sitze zunächst wie ein Pluspunkt wirken, zunichtegemacht die knappe Beinfreiheit diesen Vorteil vollständig und verwandelt einen kleinen Komfortfaktor in puren Frust. Von einer Airline, die Premium-Preise aufruft, würde man deutlich mehr Sorgfalt beim Passagierkomfort erwarten. Stattdessen scheint Finnair lieber Profite über die elementaren Bedürfnisse der Economy-Reisenden zu stellen.
Essen – oder das, was davon übrig ist
Wer auf eine stärkende Mahlzeit hofft, um die Monotonie eines Langstreckenflugs zu durchbrechen, wird in Finnairs Economy Class bitter enttäuscht. Während viele Fluggesellschaften auf Interkontinentalflügen zwei Mahlzeitendienste anbieten, geht Finnair offenbar einen anderen Weg – zumindest auf meinem 8-stündigen Flug von JFK nach Helsinki. Es gab lediglich einen kostenlosen Mahlzeitenservice, und dieser war an Lieblosigkeit kaum zu überbieten.

Erschwerend kam hinzu, dass es keinerlei Menüauswahl gab. Die einzige Option war ein vegetarisches Gericht, bestehend aus Nudeln und Gemüse. Das war alles. Kein Fleisch, kein pflanzlicher Proteinersatz – einfach nur eine traurige Portion Kohlenhydrate und Gemüse, die eher wie ein liebloser Notbehelf als eine vollwertige Mahlzeit wirkte. Dazu gab es einen ebenso deprimierenden Salat mit einer einzigen Scheibe Tomate und Gurke – fast schon wie ein Hohn auf eine ausgewogene Ernährung.

Dass eine Fluggesellschaft mit solchen Ticketpreisen bei Qualität und Quantität der Speisen derart spart, ist schlicht erstaunlich. Finnairs Essensservice wirkt weniger wie der Versuch, Gäste zu verpflegen, sondern eher wie das pflichtschuldige Abhaken eines Punktes, um überhaupt etwas serviert zu haben. Es ist ein absolutes Minimalprogramm, das hungrig und verärgert zurücklässt – und mit der Reue, sich keine eigenen Snacks eingepackt zu haben. Wer auf Langstreckenflügen Wert auf solides Essen legt, ist bei Finnair definitiv an der falschen Adresse.
Getränke
Finnairs Getränkeservice in der interkontinentalen Economy Class ist ein weiterer Bereich, der enttäuschend ausfällt. Während des Fluges werden zweimal Softdrinks, Säfte, Kaffee und Wasser serviert – das deckt zwar die Grundlagen ab, hat aber nichts mit einem zuvorkommenden Service gemein. Wer zwischendurch Durst hat, findet im hinteren Teil der Kabine einen Selbstbedienungsbereich mit Wasser und Orangensaft. Eine nette Geste, aber für eine Langstrecke dennoch sehr spartanisch.
Alkoholische Getränke sind ähnlich stark reglementiert. Beim ersten Service ist ein kostenloses Glas Wein oder eine Dose Bier inbegriffen. Möchte man jedoch mehr – sei es ein weiterer Drink, ein Cocktail oder einfach eine zweite Runde Wein oder Bier –, muss man das Portemonnaie zücken. Dass abgesehen vom Nötigsten fast alle Getränke kostenpflichtig sind, hinterlässt das bittere Gefühl von Abzocke – insbesondere angesichts der ohnehin stolzen Ticketpreise.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Die kostenlosen Getränkeoptionen sind zwar zweckmäßig, aber alles andere als großzügig. Finnair scheint eine strikte Grenze zwischen Inklusivleistungen und Zusatzkosten gezogen zu haben – Passagiere erhalten gerade genug, um durchzukommen, aber zu wenig, um die Reise zu genießen. Für einen Interkontinentalflug wirkt das Gesamtangebot schlichtweg karg, uninspiriert und enttäuschend.
Bordunterhaltung
Das In-Flight-Entertainment-System von Finnair besticht durch eine moderne Benutzeroberfläche und ein klares Display mit nützlichen Informationen zu Anschlussflügen, verbleibender Flugzeit und eventuellen Verspätungen. Die Auswahl an Inhalten lässt jedoch stark zu wünschen übrig. Die Filmmediathek ist überschaubar und bietet kaum Abwechslung, um Passagiere auf langen Strecken bei Laune zu halten.

Zu allem Überfluss stellt Finnair in der Economy Class keine kostenlosen Kopfhörer mehr zur Verfügung. Passagiere müssen eigene, kompatible Kopfhörer mitbringen, um das System nutzen zu können. Diese Sparmaßnahme in Verbindung mit der dünnen Medienauswahl macht das Unterhaltungserlebnis ernüchternd – gerade mit Blick auf das Preisniveau der Airline.
Meilenweit entfernt von einem Premium-Erlebnis
Finnairs interkontinentale Economy Class ist ein einziges Paradoxon. Die Airline verlangt Premium-Preise, liefert dafür aber ein Minimalerlebnis, das eher an einen Billigflieger als an ein Mitglied der renommierten oneworld-Allianz erinnert. Von beengten Sitzen und unzureichender Verpflegung bis hin zum enttäuschenden Unterhaltungsprogramm und ständigen Extrakosten: Finnair verprellt Economy-Gäste, während man sich krampfhaft auf das nordische Branding verlässt, um eine Illusion von Qualität aufrechtzuerhalten.
Der vielleicht ironischste Moment des Fluges folgt kurz vor der Landung, wenn ein Bordvideo die Passagiere höflich bittet, Kissen und Decken im Flugzeug zurückzulassen. Die Ironie dabei? Finnair stellt in der Economy Class überhaupt keine Kissen mehr bereit. Eine Sparmaßnahme, die fast wie ein Hohn wirkt und unterstreicht, wie tief das Serviceniveau der Airline mittlerweile gesunken ist.
Für Reisende, die auf Langstreckenflügen Wert auf Komfort, ein faires Preis-Leistungs-Verhältnis oder schlicht eine grundlegende Betreuung legen, ist Finnair keine Empfehlung. Auch wenn schickes Marketing und ein modernes Auftreten locken mögen: Am Ende bleibt das Gefühl, zu kurz gekommen und enttäuscht worden zu sein. Finnairs Economy Class ist schlichtweg ein Witz – allerdings keiner, über den man lachen kann, sondern einer, der einem aus den falschen Gründen im Gedächtnis bleibt. Beim nächsten Transatlantikflug werde ich definitiv mit British Airways fliegen.









