American AirlinesEconomy Class

Test: American Airlines Main Cabin Extra auf einem Langstreckenflug

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Ein Langstreckenflug in der Economy Class kann eine echte Zerreißprobe für Geduld, Haltung und persönliche Grenzen sein. Geht es um American Airlines Main Cabin Extra auf einem internationalen Flug, ist das Versprechen simpel: mehr Beinfreiheit, kostenlose Getränke und ein leicht aufgewertetes Reiseerlebnis – allerdings zu einem irrsinnigen Preis. American Airlines gehört zweifellos zu den schlimmsten Möglichkeiten zu fliegen, mit einem durchweg miserablen Passagiererlebnis. Und offen gesagt hätte ich niemals 160 Euro für einen Sitzplatz in der Main Cabin Extra bezahlt, doch glücklicherweise erhalten die meisten oneworld Sapphire- und Emerald-Mitglieder diesen Sitzplatz kostenlos.

Erste Eindrücke: Willkommen im Zirkus

Mit American Airlines zu fliegen fühlt sich fast immer so an, als würde man einen Zoo besuchen, in dem alle Tiere aus ihren Gehegen ausgebrochen sind und beschlossen haben, den Laden selbst zu schmeißen. Der Check-in kann bestenfalls chaotisch und schlimmstenfalls konfrontativ sein. Selbst wenn das Ticket eindeutig ein Aufgabegepäckstück beinhaltet, muss man dessen Berechtigung mitunter regelrecht verteidigen. Priority-Tags werden, selbst wenn man als oneworld Emerald-Mitglied ein Anrecht darauf hat, nicht immer bereitwillig ausgegeben. Gelegentlich hat man das Gefühl, wegen eines Kofferanhängers in einer Geiselnahme zu verhandeln. Hat man die Erfahrung am Boden jedoch erst einmal überstanden, wirkt das Bordprodukt wie ein Downloadable Content (DLC) zu dieser Tortur.

American Airlines nutzt unzählige Boarding-Gruppen – zusätzlich zum Pre-Boarding für jeden, der im Auftrag der US-Regierung in Übersee Leute getötet hat, die ihr nicht passten

Wussten Sie, dass man bei American kostenlos in eine höhere Reiseklasse upgraden kann? Kurz vor dem Abflug habe ich beobachtet, wie Passagiere sich ganz beiläufig auf Sitze der Main Cabin Extra oder sogar der Premium Economy umgesetzt haben. Keine Aktualisierung der Bordkarte. Keine dramatischen Konfrontationen. Keine Konsequenzen. Die Kabinenbesatzung schien das herzlich wenig zu interessieren. Offenbar lautet die beste Upgrade-Strategie manchmal einfach: zügiges Schritttempo.

Der Sitz: Mehr Platz, gleiches Drama

Sprechen wir darüber, wofür man eigentlich bezahlt: Platz. Die Main Cabin Extra bietet im Vergleich zur regulären Economy Class spürbar mehr Beinfreiheit. Auf einem Langstreckenflug macht dieser zusätzliche Sitzabstand einen echten Unterschied. Die Beine auszustrecken, ohne Yoga-Übungen unter dem Klapptisch vollführen zu müssen, ist wirklich eine Erleichterung. Auch die verstellbare Kopfstütze ist ein Pluspunkt. Ihre Seiten lassen sich anwinkeln, sodass der Kopf beim Schlafen gut gestützt wird. Das ist zwar kein Lie-Flat-Luxus, aber funktional und absolut willkommen.

Die Beinfreiheit in der ersten Reihe ist fantastisch

Allerdings ist nicht alles eitel Sonnenschein in puncto Ergonomie. Die Sicherheitsgurte sind bemerkenswert kurz geraten. Wer den Gurt etwas lockern möchte, um eine bequemere Schlafposition zu finden, hat mitunter schlechte Karten. Und wehe dem, der versucht, ohne angelegten Gurt zu schlafen – sofort wird man mit Verweis auf „Federal Law“ in einem Tonfall angeherrscht, als hätte man gerade persönlich die Flugsicherheit gefährdet. Wäre man eine Person of Color, würde ein Air Marshal einen vermutlich auf der Stelle erschießen. Beständigkeit gehört nicht zwingend zu den Stärken von American Airlines, aber beim Durchsetzen der Gurtanschnallpflicht? Unerreichter Enthusiasmus.

Die Kopfstütze lässt sich biegen, um das Schlafen zu erleichtern

Verpflegung: Zwei Optionen, geringe Erwartungen

Auf internationalen Langstreckenflügen stehen üblicherweise zwei Hauptgerichte zur Auswahl. Das ist stets zu begrüßen – Auswahl ist gut. Die Qualität steht jedoch auf einem anderen Blatt. Das Hauptgericht ist passabel, aber selten erinnerungswürdig. Es stillt den Hunger und erfüllt seinen Zweck. Das Highlight ist oft das Eis als Dessert, das inmitten des Mittelmaßes wie ein kleiner, nostalgischer Trost wirkt.

Das Essen war abgesehen von der Pastete nicht besonders gut

Die Mahlzeit vor der Landung? Eine Wurstrolle (Sausage Roll). Nicht gerade der kulinarische Höhepunkt, den man sich vor der Ankunft an einem internationalen Reiseziel erhofft. Das wirkt weniger wie ein durchdachter zweiter Service, sondern eher so, als hätte jemand noch Restposten aus dem Tiefkühler hervorgekramt.

Die Wurstrolle war in Ordnung, aber ziemlich fettig

Getränke: Kostenlos … wenn man das Geheimnis kennt

Hier kann die Main Cabin Extra heimlich punkten. Auf internationalen Flügen sind kostenlose alkoholische Getränke inklusive – Spirituosen, Wein und Bier. Das ist einer der besten Vorzüge dieser Buchungsklasse. Der einzige Haken? Man muss davon wissen.

Alle Getränke sind im Sitzplatzpreis inbegriffen

Es wird kaum Aufwand betrieben, diesen Vorteil anzupreisen. Getränke werden weder aktiv noch mit Begeisterung angeboten, noch wird klar darauf hingewiesen. Wer nicht proaktiv danach fragt, könnte glatt annehmen, dass die Auswahl auf Wasser, Saft und Limonade beschränkt ist. Fragt man jedoch gezielt nach, fließen die Drinks. Strategisch betrachtet kann dies den wahrgenommenen Wert der Main Cabin Extra auf der Langstrecke erheblich steigern. Allerdings schmeckt deren Wein so, als hätte ihn schon jemand getrunken und wieder erbrochen.

Bordunterhaltung und WLAN: Solide Auswahl, fragwürdige Ergonomie

Das Inflight-Entertainment-Angebot ist stark auf US-amerikanische Filme und Serien ausgerichtet. Es gibt eine solide Auswahl an aktuellen Neuerscheinungen und TV-Klassikern aus den USA, Langeweile kommt also kaum auf. Wer jedoch in der ersten Reihe der Main Cabin Extra sitzt, muss sich auf eine Fehlkonstruktion einstellen. Die Bildschirme sind so tief angebracht, dass das Anschauen eines kompletten Films spürbare Nackenschmerzen verursachen kann. Das gleicht weniger einem Kinoerlebnis als vielmehr einer Überweisung zum Chiropraktiker.

Der Bildschirm ist ziemlich weit unten angebracht

Wer lieber sein eigenes Gerät nutzt, kann über das bordeigene WLAN-Portal von American Airlines kostenlos Filme und Serien streamen – direkt auf dem Smartphone, Tablet oder Laptop. Ein vollwertiger Internetzugang ist dagegen eine ganz andere Geschichte. Mit 18 USD für eine Stunde oder 23 USD für den gesamten Flug sind die Preise so angesetzt, als würde man sich aus dem Weltall einwählen. Zum Vergleich: Das ist mehr, als manche Menschen für einen ganzen Monat Festnetz-Internet zu Hause bezahlen.

Fazit: Mehr Platz, eigenwilliger Charakter

American Airlines Main Cabin Extra ist kein Premium-Produkt und will auch gar keines sein. Es ist eine Economy Class mit etwas mehr Freiraum und versteckten Vorteilen – serviert mit einer gehörigen Portion Unberechenbarkeit. Jedenfalls ist es kein Produkt, für das es sich lohnt, extra Geld auszugeben. Ich hege eine echte Abneigung gegen American Airlines: Zwar erwischt man manchmal guten Service, meistens hat man es jedoch mit Personal zu tun, das ein massives Einstellungsproblem an den Tag legt. Zudem verachten sie ihre internationalen Passagiere regelrecht. Ich habe es viel zu oft miterlebt, wie die Mitarbeiter von American Airlines sich keinerlei Mühe gaben, deutlicher zu sprechen oder auf ihren Slang zu verzichten, wenn sie mit Passagieren sprachen, die keine englischen Muttersprachler sind und sichtlich Schwierigkeiten hatten, sie zu verstehen.

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