Codesharing ist für Fluggesellschaften eine ideale Möglichkeit, ihr Streckennetz über die gewohnten Routen hinaus zu erweitern, und bedeutet für Passagiere oft schnellere Umsteigeverbindungen sowie günstigere Flüge. Als Statuskunde sollten Sie jedoch vorsichtig sein, sobald Sie einen Codeshare-Flug sehen – denn hier wird es schnell kompliziert!
Erhalte ich Meilen/Punkte für Codeshare-Flüge?
Vielleicht. Wenn Ihr Flug ein Codeshare mit einem anderen Mitglied derselben Allianz ist, erhalten Sie Meilen bzw. Punkte für Ihre Flüge. Allerdings hängt die Gutschrift von der jeweiligen Fluggesellschaft ab. Bei oneworld richtet sich die Punktevergabe meist nach der vermarktenden Airline (Marketing Carrier), bei der Star Alliance hingegen meist nach der ausführenden Airline (Operating Carrier). Für Kunden der Star Alliance bedeutet dies, dass sich die genaue Meilenausbeute oft kaum vorhersagen lässt: Ihr Ticket weist die Buchungsklasse der vermarktenden Airline aus, maßgeblich für die Meilen ist jedoch die nicht offengelegte Buchungsklasse der ausführenden Fluggesellschaft.
Wird der Codeshare-Flug von einer Fluggesellschaft außerhalb der Allianz durchgeführt, aber vermarktet von der Airline, bei der Sie Ihren Status besitzen, erhalten Sie in der Regel Meilen – meistens jedoch nur Prämienmeilen und keine statusrelevanten Punkte, Flüge oder Segmente.
Trägt der Codeshare-Flug den Code einer Allianz-Fluggesellschaft, wird jedoch von einer Nicht-Allianz-Fluggesellschaft durchgeführt, gehen Sie höchstwahrscheinlich komplett leer aus. Besondere Vorsicht ist bei Tochtergesellschaften von Allianz-Mitgliedern geboten, wie etwa Jetstar, Vueling, Eurowings oder Air Dolomiti. Bei diesen erhalten Sie üblicherweise gar nichts, es sei denn, Ihr Vielfliegerkonto befindet sich direkt bei der jeweiligen Muttergesellschaft (in diesem Fall Qantas, British Airways/Iberia oder Lufthansa). Am besten prüfen Sie jedoch auf Wikipedia die Details zu solchen Airlines: Manche sind so eng mit ihrer Muttergesellschaft verflochten, dass sie faktisch Teil der Allianz sind und sich nicht von der Haupt-Airline unterscheiden. Volle Meilen und Punkte (Status- und Prämienmeilen) können Sie bei Fluggesellschaften wie Iberia Express (Iberia), Norra (Finnair), Cathay Dragon (Cathay Pacific) oder American Eagle (American Airlines) erwarten.
Erhalte ich Lounge-Zugang?
Befinden Sie sich auf einem Codeshare-Flug, bei dem sowohl die vermarktende als auch die ausführende Airline derselben Allianz angehören, lautet die Antwort: Ja. Daran führt kein Weg vorbei – in diesem Fall hätten Sie auch ohne Codesharing Anspruch auf Lounge-Zugang.
Gehört die vermarktende Fluggesellschaft nicht der Allianz an, die ausführende Airline hingegen schon, lautet die Antwort: Nein. Ich habe schon oft erlebt, wie Passagiere versuchten, Zugang zu einer Lounge zu erhalten, während sie mit einem Allianzmitglied flogen, ihnen der Zutritt jedoch verwehrt wurde, weil auf dem Ticket der Code einer fremden Airline stand. Auch auf andere Priority-Services am Flughafen sollten Sie in diesem Fall nicht hoffen.
Gehört die vermarktende Airline der Allianz an, die ausführende Fluggesellschaft jedoch nicht, lautet die Antwort: ein klares Vielleicht. Dies hängt von verschiedenen Faktoren ab – vor allem davon, wie eng die Zusammenarbeit der beiden Fluggesellschaften ist. Meistens erhalten Sie jedoch Lounge-Zugang, wenn die Lounge von der vermarktenden Airline selbst betrieben wird. So verschaffen Ihnen beispielsweise Jetstar-Flüge, die unter einer Qantas-Flugnummer gebucht wurden, Zugang zu den Lounges in Sydney oder Auckland. Wird die Lounge nicht von der vermarktenden Fluggesellschaft betrieben, erhalten Sie voraussichtlich keinen Zutritt. Zudem darf man eine ganz praktische Einschränkung nicht vergessen: Letzte Woche erlebte ich, wie einem Reisenden mit einem von British Airways vermarkteten Ticket der Zutritt zu einer British Airways Lounge verweigert wurde – obwohl er in der Business Class flog! Der Flug wurde von einer Nicht-oneworld-Airline durchgeführt, doch der eigentliche Haken war: Der Flug startete von einem anderen Terminal, weshalb kein Lounge-Zugang gewährt wurde. Prüfen Sie daher vorab stets auch die praktischen Gegebenheiten: Fliegt die allianzfremde Airline überhaupt von einem Terminal ab, in dem die vermarktende Airline über Lounges verfügt?
Fazit
Alles in allem versuche ich, Codeshare-Flüge so weit wie möglich zu vermeiden. Achten Sie stets darauf, dass die ausführende Airline mit der vermarktenden identisch ist – andernfalls drohen böse Überraschungen. Einmal erhielt ich eine beachtliche Anzahl an Finnair Plus-Punkten für einen von Iberia vermarkteten und von British Airways durchgeführten Flug, doch das war bisher die einzige erfreuliche Überraschung, die ich beim Codesharing erlebt habe.









