Auf Europaflügen setzt Finnair überwiegend kleinere Schmalrumpfflugzeuge ein. Einzige Ausnahme: Auf einigen Routen nach London und Amsterdam setzt Finnair Großraumflugzeuge ein – in diesem Fall genießen Sie mehr Platz und ein persönliches Bordunterhaltungssystem. Ansonsten entspricht das Flugerlebnis genau dem hier beschriebenen.
Check-in
Finnair bietet eine sehr benutzerfreundliche mobile App für den Check-in, die sich meistens problemlos nutzen lässt – es sei denn, die Fluggesellschaft muss bestimmte Reisedokumente prüfen oder die Behörden des Ziellandes verlangen eine ausgedruckte Bordkarte. Ein wichtiger Tipp zur Nutzung der App: Machen Sie unbedingt einen Screenshot Ihrer Bordkarte, falls Sie sie später noch einmal benötigen. Die App neigt nämlich dazu, abgelaufene Bordkarten nach dem Flug ziemlich zügig zu entfernen. 😮
Wer ab Helsinki fliegt, kann das Gepäck bereits am Vorabend aufgeben. Bei Flügen von allen anderen Flughäfen öffnen die Check-in-Schalter und die Gepäckabgabe üblicherweise erst 2 bis 3 Stunden vor Abflug. Meistens geht die Abfertigung in den Warteschlangen jedoch recht zügig voran.
Früher war Finnair beim Handgepäckgewicht in der Regel nicht allzu streng. Diese Zeiten sind vorbei. Finnair setzt inzwischen voll auf Stichprobenkontrollen, um sicherzustellen, dass das Gepäck die Gewichts- und Größenvorgaben peinlich genau einhält. Wenn Sie am Gate für eine Stichprobe herausgepickt werden, stellen Sie sich auf eine unangenehme Situation ein – und darauf, 60 Euro oder mehr zu zahlen, damit Ihr Handgepäck im Frachtraum aufgegeben wird.
Borderlebnis
Über das Flugerlebnis an Bord gibt es nicht allzu viel zu berichten. Bei den Sitzen überzeugt die Beinfreiheit vollkommen: Ich bin 1,90 m groß und habe nie zusätzlichen Platz vermisst – ein klarer Pluspunkt. Außerdem sind die Sitze mit Stoff statt Leder bezogen, was das Schwitzen spürbar reduziert und ebenfalls angenehm ist. Leider sind die Unterhaltungsangebote stark eingeschränkt. Auf Schmalrumpfflugzeugen bietet Finnair keine Bordunterhaltungssysteme an den Sitzen. Auf den meisten Maschinen gibt es zwar WLAN, dieses kostet jedoch extra und die Netzabdeckung lässt deutlich zu wünschen übrig.

Beim Thema Essen und Getränke schneidet Finnair schlichtweg mangelhaft ab – und das ist noch milde ausgedrückt. Für den regulären Ticketpreis (der meistens nicht einmal die günstigste Flugoption darstellt) bekommt man absolut nichts zu essen; bei den Getränken hat man lediglich die Wahl zwischen Wasser und Blaubeersaft. Das war’s. Kaffee, Tee oder Orangensaft kosten ausnahmslos extra. Finnair versucht gerne, ihr Bordprodukt über den Blaubeersaft als Markenzeichen zu inszenieren … Doch dabei handelt es sich keineswegs um 100 % Fruchtsaft, sondern um ein stark verwässertes Getränk. Man hat an Bord also im Grunde nur die Wahl zwischen Leitungswasser und Heidelbeerwasser … 🤢

Mein mit Abstand schlechtestes Erlebnis mit Finnair war ein Flug von Dubai nach Helsinki, als europäische Airlines beschlossen hatten, den iranischen Luftraum zu meiden … Finnair flog einen Umweg von satten 11 Stunden. Und die allererste Durchsage an Bord lautete: „Auf diesem Flug servieren wir keine Speisen, selbst wenn Sie dafür bezahlen möchten. Wir wünschen Ihnen einen angenehmen Flug.“ … Deutlicher kann man seinen Fluggästen die kalte Schulter kaum zeigen 🖕. Also gab es 11 Stunden lang ausschließlich Wasser und Blaubeerwasser – willkommen an Bord!

Umsteigeverbindungen und Flugzeiten
Finnair ist bekannt für extrem knappe Umsteigezeiten in Helsinki, oft mit weniger als einer Stunde bis zum Anschlussflug. In Online-Foren machen sich viele Reisende deswegen große Sorgen – völlig unbegründet. Finnair-Flüge sind in der Regel pünktlich, und der Flughafen Helsinki ist angenehm kompakt und übersichtlich gestaltet. Sollten Sie Ihren Anschlussflug dennoch einmal verpassen, sind Sie dank der strengen EU-Fluggastrechte bestens abgesichert und können sich meist über eine stattliche Entschädigung freuen. 🤑
Finnair bot früher die schnellsten Verbindungen zwischen Europa und Asien. Da Russland dem EU-Luftverkehr nun jedoch verschlossen bleibt, muss die Airline weite Umwege fliegen. Und ganz ehrlich: Wenn man zwischen Finnair und der Lufthansa wählen kann und die Gesamtreisezeit identisch ist, greift man selbstverständlich zur Lufthansa – sie ist günstiger und bietet das deutlich überlegenere Produkt. Es sei denn, man ist wie ich fest an die oneworld-Allianz gebunden. 😅
Fazit
Früher servierte Finnair auf Europastrecken noch eine warme Mahlzeit und kostenfreie Getränke. Dann wurden warme Speisen und Alkohol aus dem Gratis-Service gestrichen, und mittlerweile wurden reguläre Getränke fast vollständig abgeschafft. Natürlich ist ein kostenloses Glas Wasser besser als gar nichts. Andererseits ist Leitungswasser in Finnland von bester Trinkwasserqualität und praktisch umsonst – der einzige Grund, warum man kein eigenes Wasser mit an Bord nehmen kann, sind die leidigen Sicherheitskontrollen. 🙄 Eine Tasse Kaffee ist wahrlich nicht zu viel verlangt, zumal Lufthansa, Turkish Airlines und KLM für Flüge ab Helsinki oft wesentlich bessere Angebote bieten. Finnair bewegt sich preislich im oberen Segment der klassischen Linienfluggesellschaften, spart beim Bordservice jedoch an jeder Ecke …
Es steht außer Frage: Finnair nähert sich immer mehr einem reinen Billigflieger an. Man bekommt einen bequemen Sitzplatz mit guter Beinfreiheit und einen Schluck zu trinken … abgesehen davon entspricht das Gebotene weitgehend dem Niveau einer Low-Cost-Airline. Wenn Probleme auftreten, ist der Kundenservice notorisch überlastet und oft ratlos – selbst über die exklusive Hotline für Platinum-Kunden. Am Flughafen erlebt man mitunter freundliches und hilfsbereites Bodenpersonal, allzu oft aber auch pure Gleichgültigkeit nach dem Motto „Nicht mein Problem“. Das Gesamtbild fällt daher recht durchwachsen aus.









