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Sollte man Flüge immer direkt bei der Airline buchen?

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Ich lese im Internet immer wieder dasselbe: Viele behaupten steif und fest, man solle Flüge ausnahmslos auf der Website der Fluggesellschaft buchen und Online-Reisebüros (OTAs) meiden. Doch das stimmt so pauschal überhaupt nicht, und in diesem Artikel erkläre ich, warum. Es gibt zwar bestimmte Fälle, in denen ein Verzicht auf ein OTA sinnvoll ist, meistens sollte man sich jedoch schlichtweg für den besten Preis entscheiden.

Warum gelten OTAs bei vielen als schlecht?

Meiner Ansicht nach ist das eine typisch US-amerikanische Sichtweise. Wenn in den USA etwas auf eine bestimmte Art läuft, neigen die Menschen oft dazu anzunehmen, dass es im Rest der zivilisierten Welt genauso funktioniert. Fluggesellschaften in den USA sind berüchtigt – und ihr Check-in-Personal glänzt nicht immer durch überragende Fachkompetenz. Genau hier wird es kompliziert: Bucht man nicht direkt über die Airline-Website, stellt sich das Bodenpersonal häufig ahnungslos – sei es wegen veralteter IT oder schlichtweg mit dem Ziel, zusätzliche Gebühren zu kassieren.

Mitarbeiter von American Airlines und Alaska Airlines haben mich schon lautstark darauf hingewiesen, dass ich für Gepäck zahlen müsse, welches in meinem Ticket eigentlich inbegriffen war. Ausgestellt waren meine Tickets von Finnair – also keineswegs einem OTA –, doch da es sich nicht um ein eigenes Ticket von American oder Alaska handelte, waren sie schlichtweg nicht in der Lage zu erkennen, was der Tarif beinhaltete. Nach solchen Erfahrungen ist es nachvollziehbar, warum viele von OTAs abraten. Das ist jedoch ein sehr US-spezifisches Problem. In den allermeisten anderen Ländern genießen Kunden echte Rechte, und das Prinzip der Kundenorientierung wird tatsächlich gelebt. Außerhalb der USA hatte ich jedenfalls noch nie Probleme mit Flugbuchungen, die nicht direkt über die Airline erfolgten.

Warum eine Buchung über ein OTA oft sogar von Vorteil ist

Wir leben in einer marktwirtschaftlichen Welt, in der man als Konsument mit den Füßen abstimmen und dort kaufen sollte, wo man dieselbe Leistung günstiger erhält. Meistens geht es doch nur darum, von A nach B zu kommen – und da macht es absolut Sinn, den Flug zum günstigsten Preis zu buchen. Hat die Fluggesellschaft auf ihrer eigenen Website den besten Preis, bucht man dort. Findet man denselben Flug über ein OTA günstiger, spricht nichts dagegen, dort zuzugreifen. Am Ende sitzt man im exakt selben Flugzeug.

Gelegentlich unterlaufen OTAs Fehler bei der Preisgestaltung. Wer gründlich recherchiert und über ein OTA einen günstigeren Preis als bei der Fluggesellschaft selbst findet, bekommt mitunter sogar einen noch besseren Deal als ursprünglich erwartet. Das ist mir bereits zweimal bei der Buchung von Finnair-Flügen über Kiwi passiert. Kiwi bot die Flüge etwas günstiger an als Finnair direkt – beide wiesen den Tarif Economy Light ohne Freigepäck aus. Nach Abschluss der Buchung über Kiwi stellte ich jedoch erstaunt fest, dass ich Tickets in Economy Classic erhalten hatte. Das bedeutete ein kostenloses Aufgabegepäckstück (das von Kiwi gar nicht versprochen worden war) sowie doppelte Finnair Plus Punkte (zu einer Zeit, als Punkte noch nach Region und Buchungsklasse vergeben wurden).

Ein andermal fiel mir auf, dass das von Finnair ausgestellte E-Ticket einen deutlich höheren Preis auswies, als ich Kiwi für die Flüge gezahlt hatte. Zu diesem Zeitpunkt wurden Finnair Plus Punkte bereits umsatzbasiert vergeben. Das Ergebnis: Ich erhielt für meine Flüge deutlich mehr Punkte, als wenn ich direkt über Finnair gebucht hätte.

Zudem habe ich kürzlich beobachtet, dass China Eastern Airlines Flüge auf Kayak durchweg günstiger zu sein scheinen als auf der eigenen Website der Airline. Vor Kurzem konnte ich mir außerdem ein hervorragendes Angebot für die Business Class von Cathay Pacific sichern, das sich auf der Website der Fluggesellschaft überhaupt nicht buchen ließ. Tatsächlich hätte ich bei einer Direktbuchung über Cathay Pacific das Doppelte bezahlt. Dafür war lediglich ein wenig Tüfteln mit der ITA Matrix und die Buchung über ein OTA nötig.

Wann sollte man auf ein OTA verzichten?

Verzichten sollte man auf ein OTA definitiv bei Sonderwünschen und speziellem Betreuungsbedarf. Das Reisen mit Haustier, Kleinkind, Rollstuhl oder ähnlichen Anforderungen erfordert spezielle Absprachen, die ausschließlich die Airline selbst treffen kann. In solchen Fällen ist es immer ratsam, das Ticket direkt bei der Fluggesellschaft zu kaufen.

Wer maximale Flexibilität für seine Flüge benötigt, ist bei der Airline ebenfalls besser aufgehoben. Bei flexiblen Tarifen, die direkt auf der Website der Airline gebucht wurden, lassen sich Umbuchungen oder Stornierungen unkompliziert mit der Airline regeln. Hält man ein flexibles Ticket über ein OTA, muss man sich für jegliche Änderungen an das Reisebüro wenden. Das bedeutet auch, dass die Gebühren und Richtlinien des OTAs greifen und nicht zwingend die der Airline.

Wenn auch selten, gewähren manche Airlines bei OTA-Tickets selbst Passagieren mit SkyTeam Elite Plus oder oneworld Sapphire bzw. Emerald Status keine kostenlose Sitzplatzwahl. Dieses Problem hatte ich bereits einmal bei Japan Airlines und bisher jedes Mal bei China Eastern Airlines. Bei der überwiegenden Mehrheit der Fluggesellschaften tritt dies jedoch gar nicht erst auf.

Fazit

Es gibt keinen Grund, Online-Reisebüros pauschal zu meiden. Es gibt zahlreiche seriöse Anbieter, und Millionen von Reisenden buchen ihre Flüge jede Woche über OTAs – und kommen problemlos an Bord und an ihr Ziel. Wenn Sie nach dem besten Angebot suchen und keine Sonderleistungen benötigen, wählen Sie unbesorgt die günstigste Option.

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