Wer innerhalb Europas fliegt, hat seine Erwartungen an die Economy Class im Laufe der Jahre spürbar heruntergeschraubt. Zahlreiche Fluggesellschaften in der Region haben ihr Kurzstreckenprodukt auf das absolute Minimum reduziert und verlangen oft für nahezu alles abseits des reinen Sitzplatzes einen Aufpreis. Vor diesem Hintergrund positioniert sich KLM weiterhin als eine der stärksten Airlines innerhalb von SkyTeam – und nach meinem jüngsten Flugerlebnis wird schnell klar, warum.
Das europäische Streckennetz von KLM ist stark auf das Drehkreuz Amsterdam Schiphol ausgerichtet – einen Flughafen, der für seine bemerkenswert kurzen Umsteigezeiten bekannt ist. Was auf dem Papier nach Stress klingen mag, ist im operativen Betrieb von KLM genau darauf optimiert. In vielen Fällen lässt sich von einem innereuropäischen Flug zum nächsten in deutlich unter einer Stunde umsteigen – ein Kunststück, das nur wenige andere Drehkreuze so verlässlich bewältigen.
Auf dieser Reise verlief der Start allerdings nicht wie geplant: KLM strich meinen ursprünglichen Flug – ein Szenario, das man auf Reisen denkbar ungern erlebt. Was mich jedoch sofort positiv überraschte, war die überaus reibungslose Bewältigung der Situation. Noch bevor ich mir Sorgen machen oder mich in eine Warteschlange am Transferschalter einreihen konnte, hielt ich bereits einen Hotelgutschein in den Händen. Alles lief proaktiv, effizient und vollkommen ruhig ab. Selbst die EU-Fluggastrechte-Entschädigung gestaltete sich erstaunlich unkompliziert: Die Auszahlung erfolgte schnell und ohne unnötiges Hin und Her. Das hat wieder einmal gezeigt: Unregelmäßigkeiten im Flugbetrieb lassen sich nie ganz vermeiden, doch erstklassige Fluggesellschaften zeichnen sich dadurch aus, wie professionell sie reagieren, wenn einmal etwas schiefgeht.
Sitze und Kabinenkomfort
In der europäischen Economy Class setzt KLM auf Ledersitze, die persönlich nicht unbedingt meine erste Wahl sind. Sie wirken zwar modern und sauber, fühlen sich jedoch anfangs oft etwas kühl und auf längeren Flügen im Vergleich zu Stoffbezügen weniger gemütlich an. Davon abgesehen macht die Kabine einen sehr gepflegten und professionellen Gesamteindruck, wobei die vertrauten Blautöne von KLM für eine unverkennbar niederländische Atmosphäre sorgen.

Die Beinfreiheit ist recht knapp bemessen, was mittlerweile allerdings auf europäischen Kurzstrecken in der Economy Class leider zum Standard geworden ist. Größere Passagiere werden den begrenzten Freiraum definitiv bemerken, insbesondere auf Flügen von an die zwei Stunden Flugzeit. Es ist keineswegs so unbequem, dass es ein K.-o.-Kriterium wäre, aber von einem großzügigen Raumgefühl kann man eben auch nicht sprechen.

Ein äußerst willkommener Pluspunkt sind die vorhandenen USB-Ladeanschlüsse. Das ist etwas, das in vielen europäischen Schmalrumpfflugzeugen nach wie vor fehlt. Das eigene Smartphone oder andere kleine elektronische Geräte während des Fluges aufladen zu können, stellt daher einen echten Mehrwert dar. Für Reisende, die auf mobile Bordkarten, Navigations-Apps oder einfach auf ihr eigenes Unterhaltungsprogramm angewiesen sind, macht dieses kleine Detail einen spürbaren Unterschied.
Bordservice und Catering
Hier beginnt KLM im Vergleich zu vielen europäischen Konkurrenten wirklich zu glänzen: Auf meinem Flug wurde allen Fluggästen in der Economy Class ein kostenloses Stück Kuchen serviert. Im heutigen europäischen Luftverkehr, in dem Buy-on-Board-Konzepte längst die Regel sind, wirkt eine kostenfreie Bordverpflegung fast schon nostalgisch – und das im allerbesten Sinne.

Neben dem Kuchen waren auch alkoholfreie Getränke ohne Aufpreis inbegriffen. Beim Service entstand zu keinem Zeitpunkt der Eindruck von Hektik oder Sparmaßnahmen. Die Kabinenbesatzung agierte aufmerksam und effizient, wodurch sich das Flugerlebnis viel mehr nach einem traditionellen Full-Service-Flug als nach einer kaputtgesparten Kurzstrecke anfühlte.
Was mich wirklich erstaunt hat: Die Crew ging ein zweites Mal durch die Kabine und bot eine weitere Runde Kuchen und Getränke an. So etwas erlebt man auf europäischen Economy-Flügen heutzutage praktisch überhaupt nicht mehr. Das war keine bloße Alibigeste, sondern echtes Bemühen darum, dass sich die Passagiere wohlfühlen und rundum gut versorgt sind. Solche Momente bleiben in Erinnerung – besonders in einer Branche, in der die Messlatte inzwischen so tief liegt.
Fazit
Europäische Fluggesellschaften haben ihren Bordservice im vergangenen Jahrzehnt drastisch zurückgefahren, und als Vielflieger neigt man schnell dazu, zynisch zu werden, was auf der Kurzstrecke überhaupt noch als „Full Service“ durchgeht. Umso erfrischender ist es, mit einer Fluggesellschaft wie KLM unterwegs zu sein, bei der Speisen und Getränke weiterhin selbstverständlicher Bestandteil des Tickets sind – ganz ohne ständige Zusatzverkäufe oder versteckte Extrakosten für jede Kleinigkeit.
Doch nicht nur beim Catering überzeugt KLM, sondern vor allem durch das konstant solide und verlässliche Flugerlebnis. Vom souveränen Umgang mit Flugunregelmäßigkeiten bis hin zu durchdachten Extras wie USB-Anschlüssen und kostenfreien Erfrischungen beweist KLM, dass ein stimmiges Preis-Leistungs-Verhältnis in der europäischen Economy Class nach wie vor machbar ist. In einem hart umkämpften und zunehmend auf das absolute Minimum reduzierten Markt sticht KLM wahrhaft hervor – und genau deshalb bleibt die Airline für meine Reisen innerhalb Europas eine meiner bevorzugten Optionen in der SkyTeam-Allianz.









