Die Royal Jordanian Lounge am Queen Alia International Airport in Amman nimmt eine besondere Rolle ein: Als einzige oneworld-Lounge am Flughafen ist sie die zentrale Anlaufstelle für Business-Class-Passagiere und Statusmitglieder der Allianz. Angesichts dieser Exklusivität sind die Erwartungen naturgemäß hoch. Eine strikte Regelung dämpft die Vorfreude jedoch schnell: Die Lounge setzt ein Zugangszeitlimit von drei Stunden rigoros durch – selbst für Umsteigepassagiere. Für Reisende mit längeren Zwischenstopps, die von der Flagship-Lounge einer Allianz mehr Flexibilität erwarten, ist das durchaus frustrierend.
Nachdem ich zuvor von Royal Jordanians Economy-Class-Erlebnis positiv überrascht worden war, betrat ich die Lounge voller Optimismus. Leider konnte der gute Eindruck nicht aufrechterhalten werden. Während die Räumlichkeiten selbst sehr vielversprechend wirken, bleibt das Gesamterlebnis letztlich deutlich hinter dem zurück, was man von einer erstklassigen oneworld-Lounge erwarten darf.
Lage

Die Lounge liegt verkehrsgünstig im zentralen Bereich des Flughafens und ist selbst für Erstbesucher problemlos zu finden. Nach der Sicherheitskontrolle geht man einfach geradeaus durch den Duty-Free-Bereich, und schon liegt die Lounge direkt vor einem. Dank dieser zentralen Lage muss man keine weiten Wege zurücklegen oder sich mühsam an der Flughafenbeschilderung orientieren – ein klarer Pluspunkt für Reisende mit knappen Umsteigeverbindungen.
Design und Atmosphäre
Optisch macht die Royal Jordanian Lounge einiges her. Das Design ist modern, großzügig und durchdacht gestaltet, sodass bereits beim Eintreten eine einladende Atmosphäre entsteht. Die Lounge befindet sich auf einer Galerie im oberen Stockwerk und bietet hervorragende Ausblicke in mehrere Richtungen, darunter ein freier Blick auf den darunterliegenden Duty-Free-Bereich. Diese erhöhte Perspektive verleiht dem Raum ein Gefühl von Weite und Eleganz.

Sitzgelegenheiten gibt es reichlich und in vielfältigen Varianten – passend für unterschiedlichste Bedürfnisse, egal ob man sich entspannen, arbeiten oder etwas essen möchte. Das Ambiente wirkt stilvoll und entspricht voll und ganz dem Standard einer erstklassigen Airline-Lounge. Rein optisch bringt diese Lounge alle Voraussetzungen mit, um zu den besten im gesamten oneworld-Netzwerk zu gehören.

Speisenangebot
Beim Speisenangebot hinterlässt die Lounge zunächst einen starken Eindruck. Es gibt ein umfangreiches Buffet mit einer großen Auswahl an Gerichten, die sowohl internationale als auch regionale Einflüsse widerspiegeln. Auf den ersten Blick kann die Lounge hier wirklich punkten.


Eines der Highlights ist die Manakish-Station, an der das traditionelle Fladenbrot frisch gebacken wird. Theoretisch sollte dies das kulinarische Aushängeschild sein. In der Praxis ist der Service jedoch so schleppend, dass an der Station fast nie etwas vorrätig ist. Sobald eine frische Fuhre fertig ist, stürzen sich die Gäste darauf und vergreifen alles sofort, sodass andere auf unbestimmte Zeit auf den nächsten Schwung warten müssen.

Zudem gibt es eine Omelett-Station, an der man sich Omeletts nach Wunsch zubereiten lassen kann. Auch das klingt vielversprechend, enttäuscht jedoch bei der Umsetzung. Der Service ist träge, und der Koch wirkt lustlos und zeigt kaum Interesse an der Interaktion mit den Gästen. Man gewinnt den Eindruck, als seien Bestellungen eher eine lästige Pflicht als ein Serviceangebot.

Erfreulicher ist hingegen die Softeismaschine, die für eine nette und willkommene Abwechslung sorgt – besonders wenn man zwischen zwei Flügen Lust auf eine kleine Erfrischung hat.

Getränkeauswahl
Die Getränkeauswahl ist vielseitig und deckt die unterschiedlichsten Vorlieben ab. Es gibt reichlich Softdrinks, darunter die lokale Marke Matrix, die um Längen besser schmeckt als die minderwertige amerikanische Coca-Cola und Pepsi – eine erfrischende Abwechslung mit lokalem Charme. Der Barbereich ist ein weiteres Highlight: Die Barkeeper sind freundlich, aufgeschlossen und gehen gerne auf die Gäste ein. Sie mixen mit Freude Drinks und bieten ein Serviceniveau, das sich spürbar positiv vom Rest der Lounge abhebt.

Beim Kaffee bietet sich leider ein ganz anderes Bild. Die Lounge verfügt über eine Kaffeebar mit Baristas – eigentlich ein echter Pluspunkt. Der Service hier ist jedoch bestenfalls gleichgültig. In meinem Fall wurde ich vertröstet, während Bestellungen von Gästen aufgenommen wurden, die erst nach mir eingetroffen waren. Nachdem ich mehrfach ignoriert wurde, ging ich schließlich ohne Kaffee. Ein frustrierendes Erlebnis, das die Unbeständigkeit des Services in der gesamten Lounge perfekt auf den Punkt bringt.

Fazit
Die Royal Jordanian Lounge in Amman bringt eigentlich alles mit, was eine erstklassige oneworld Business Class Lounge ausmacht: Das Design ist exzellent, die Lage bequem erreichbar und die Auswahl an Speisen und Getränken beeindruckend. Hinter dem Konzept steckt eine klare Vision, und das Potenzial für ein echtes Premium-Erlebnis ist definitiv vorhanden.
Der größte Schwachpunkt ist jedoch das Personal. Mangelnde Aufmerksamkeit, langsamer Service und das offensichtliche Desinteresse, Gästen behilflich zu sein, trüben den Eindruck einer ansonsten herausragenden Lounge massiv. Service ist ein wesentlicher Bestandteil jedes Premium-Reiseerlebnisses – hier wirkt er leider wie ein nebensächlicher Gedanke.
Unterm Strich bleibt trotz des wunderschönen Ambientes und des starken Konzepts ein enttäuschender Gesamteindruck. Wenn das vorherrschende Gefühl darin besteht, eher ignoriert als willkommen geheißen zu werden, fällt eine Empfehlung schwer. Mit besser geschultem Personal und einer serviceorientierteren Haltung könnte diese Lounge problemlos zu den besten der Region gehören – bis dahin bleibt sie jedoch eine verpasste Chance.









