Japan Airlines verbinde ich im Allgemeinen mit Beständigkeit, unaufgeregtem Service und einer gewissen dezenten Eleganz – selbst bei Flügen außerhalb Japans. Auf diesem kurzen innerasiatischen Flug habe ich deren Premium Economy getestet, um zu sehen, wie viel von diesem Langstreckenerlebnis auf einer regionalen Strecke erhalten bleibt. Kurze Flüge zeigen oft schonungslos, wo Fluggesellschaften den Rotstift ansetzen. Dies war also eine ideale Gelegenheit herauszufinden, ob das Premium-Economy-Produkt von JAL lediglich ein besserer Sitz oder ein wahrhaft gehobenes Reiseerlebnis vom Boarding bis zur Landung ist.
Ordnung über alles: Boarding nach JAL-Art
Japan Airlines’ Ruf für Disziplin und Struktur zeigt sich bereits beim Boarding in voller Pracht, selbst auf kurzen innerasiatischen Flügen. Das Einsteigen erfolgte strikt nach Gruppen, und JAL setzt diesen Ablauf tatsächlich durch, anstatt ihn als bloße Empfehlung zu betrachten. Passagiere mit Hilfebedarf wurden zuerst an Bord gebeten, gefolgt von oneworld Emerald-Mitgliedern und First-Class-Gästen, danach oneworld Sapphire-Mitglieder gemeinsam mit der Business Class. Das Resultat war ein ruhiges, effizientes Boarding-Erlebnis ohne Gedränge am Gate und ohne Unklarheiten darüber, wer sich als Nächstes anstellen sollte.

Premium Economy richtig gemacht: Ein überraschend guter Sitz

Für einen kurzen Regionalflug ist der Premium-Economy-Sitz von Japan Airlines wirklich beeindruckend. Die Beinfreiheit ist hervorragend und fällt sofort nach dem Hinsetzen positiv auf, wodurch die Kabine deutlich großzügiger wirkt als in der regulären Economy Class. Das Sitzdesign ist durchdacht: Mehrere Ablagefächer rund um den Sitz erleichtern es, Smartphone, Kopfhörer und andere Kleinigkeiten griffbereit zu halten. Die Neigung der Rückenlehne ist großzügig genug, um sich entspannt zurückzulehnen, ohne den Hintermann übermäßig einzuschränken, und die Beinauflage bietet eine willkommene zusätzliche Stütze, die den Komfort weit über das hinaushebt, was man normalerweise auf einem Kurzstreckenflugzeug erwartet.

In der Vergangenheit stehen geblieben: Ein Bordunterhaltungssystem, das enttäuscht

Wo das Flugerlebnis sein Alter deutlich offenbart, ist das Inflight-Entertainment-System. Die bereitgestellten Kopfhörer fühlten sich extrem billig an und schirmten den Kabinenlärm kaum ab – für eine Premium-Kabine enttäuschend. Die Bildschirmoberfläche selbst war träge und veraltet, und die Auswahl an Inhalten fiel mager aus. Was die Sache noch verschlimmerte, war die Handhabung der Sprachen: Anstatt die Sprache direkt innerhalb eines Films wechseln zu können, erschien jede Sprachfassung als eigener Eintrag. Dadurch tauchte derselbe Film oder dieselbe Serie mehrfach im Menü auf, was das System überfrachtete und die Suche unnötig frustrierend machte. Nach heutigen Maßstäben wirkt das gesamte Setup wie ein Relikt.

Schöne Schachtel, schwache Umsetzung: Eine Mahlzeit, die ihr Ziel verfehlt

Japan Airlines sammelt Punkte für die Präsentation, aber nicht für den Geschmack. Die Mahlzeit wurde in einer ansprechend gestalteten Box serviert, die anfangs die Erwartungen steigerte – das Essen im Inneren war jedoch eine Enttäuschung. Das Hauptgericht war eine kalte Pasta Carbonara, die uninspiriert und seltsam deplatziert wirkte. Es ist die Art von Mahlzeit, mit der man sich daheim zufriedengibt, wenn man keine Lust zum Kochen hat, aber nichts, was man in der Premium Economy einer japanischen Full-Service-Airline erwartet. Bei einem so kurzen Flug sind die Erwartungen zwar nicht astronomisch hoch, aber das fühlte sich dennoch fast wie ein Affront an.

Ein Lichtblick: Getränke, die man probieren sollte
Glücklicherweise war die Getränkeauswahl deutlich besser als das Essen. Japan Airlines bot mehrere Optionen an, darunter einige mit unverkennbar japanischer Note. Der Pflaumenwein war exzellent und definitiv eine Bestellung wert, selbst auf einem kurzen Flug. Auch der Skytime-Saft, ein langjähriger Favorit bei JAL, war erhältlich und bleibt eine erfrischende, typisch japanische Note, die dem Bordanstrich Charakter verleiht.

Fazit: Bequemer Sitz, durchwachsene Umsetzung
Die Premium Economy von Japan Airlines auf einem kurzen innerasiatischen Flug überzeugt dort, wo es am meisten zählt: beim Sitzkomfort und der Effizienz beim Boarding. Die geräumige Bestuhlung, die Beinfreiheit und der ruhige Service machen die Reise angenehm; das veraltete Unterhaltungssystem und die enttäuschende Mahlzeit verhindern jedoch, dass sich das Produkt wirklich erstklassig anfühlt. Wenn Ihre Priorität auf Komfort und einem reibungslosen, geordneten Ablauf liegt, hat diese Kabine nach wie vor gute Argumente auf ihrer Seite. Erwarten Sie an Bord nur kein kulinarisches Highlight oder hochmodernes Entertainment.









